Lektorat oder Korrektorat – was brauche ich wirklich?
Lektorat, Korrektorat, Stillektorat, Beta-Reading – im Self-Publishing fliegen die Begriffe durcheinander. Dieser Guide räumt auf, erklärt, was jede Leistung wirklich umfasst und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll ist.
1. Die Begriffe im Überblick
Beta-Reading
Ehrenamtliche oder bezahlte Erstleser:innen aus deiner Zielgruppe. Sie geben Feedback aus Lesersicht: Was funktioniert, was langweilt, wo bin ich rausgeflogen? Kein professionelles Lektorat – aber unverzichtbar als erste Reality-Check.
Inhaltliches Lektorat (Strukturlektorat)
Schaut auf Plot, Figuren, Tempo, Spannungsbogen, innere Logik. Hier kann die Lektorin sagen: „Kapitel 12 ist zu lang" oder „Die Heldin ist nicht motiviert genug für diese Entscheidung." Häufig die teuerste, aber wertvollste Leistung.
Stilistisches Lektorat
Arbeitet am sprachlichen Ausdruck: Wortwiederholungen, holprige Sätze, Dialoge, Show-don't-tell, Perspektive. Kein Eingriff in die Story selbst.
Korrektorat
Reine Fehlerkorrektur: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Trennung, Tippfehler. Kein Stil, kein Inhalt. Der letzte Schritt vor Druck und Upload.
Sensitivity Reading
Optionale Zusatzleistung – Profis prüfen, ob bestimmte Themen, Gruppen oder Konflikte respektvoll und glaubwürdig dargestellt sind.
2. Vergleichstabelle
| Leistung | Was wird geprüft? | Preis / Normseite | Wann? |
|---|---|---|---|
| Beta-Reading | Leserperspektive | 0–2 € | Nach 1. Rohfassung |
| Inhaltliches Lektorat | Plot, Figuren, Struktur | 7–12 € | Nach Beta-Reading |
| Stilistisches Lektorat | Sprache, Stil, Dialoge | 5–9 € | Nach Strukturlektorat |
| Korrektorat | Orthografie, Grammatik | 2–4,50 € | Vor Satz/Upload |
3. Die richtige Reihenfolge
- Rohfassung abschließen, 2–4 Wochen liegen lassen.
- Selbstüberarbeitung (mind. 1 vollständiger Durchgang).
- Beta-Reader einbeziehen, Feedback einarbeiten.
- Inhaltliches Lektorat – ggf. größere Umbauten.
- Stilistisches Lektorat – Feinarbeit am Text.
- Korrektorat – ganz am Ende, nach finalem Satz.
Häufiger Fehler: Direkt mit Korrektorat starten. Wenn die Lektorin danach noch Kapitel umbaut, war das Korrektorat halb verschenkt – jedes umgebaute Kapitel muss erneut korrigiert werden.
4. Was brauchst du wirklich?
Drei Szenarien:
Du bist Anfänger:in oder schreibst dein erstes Buch
Du brauchst alles: Beta-Reading + inhaltliches + stilistisches Lektorat + Korrektorat. Das ist die einzige Chance, dass dein Buch in der gleichen Liga wie Verlagstitel mitspielt.
Du bist erfahren und hast schon mehrere Bücher veröffentlicht
Stilistisches Lektorat + Korrektorat reichen oft, wenn du den Plot sauber strukturieren kannst und Beta-Reader das bestätigen. Das spart 30–50 % Kosten.
Sachbuch / Ratgeber
Inhaltliches Lektorat ersetzt du teilweise durch Fach-Review (Experten aus deinem Gebiet). Stillektorat und Korrektorat bleiben Pflicht.
5. Preise und Honorare
Berechnet wird fast immer pro Normseite (1.500 Zeichen brutto):
- Korrektorat: 2,00–4,50 € / NS
- Stilistisches Lektorat: 5,00–9,00 € / NS
- Inhaltliches Lektorat: 7,00–12,00 € / NS
- Sensitivity Reading: 4,00–8,00 € / NS
Genauer rechnen mit dem Honorar-Kalkulator, Normseiten ermitteln mit dem Normseiten-Rechner.
6. Den richtigen Profi auswählen
Achte bei der Auswahl auf:
- Genre-Erfahrung – Krimi-Lektorin ≠ Sachbuch-Lektorin.
- Probelektorat anfragen (3–5 Seiten kostenlos oder gegen kleines Honorar).
- Referenzen prüfen – am besten erschienene Titel.
- Schriftliches Angebot mit Leistungsbeschreibung und Liefertermin.
- Klärung der Arbeitsweise: Word-Änderungen-Modus, Anmerkungen, Stilblatt?
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